Kaum den Kinderschuhen entwachsen, macht unser Projekt den nächsten grossen Schritt. Für das neue Programm TAS (Therapie, Ausbildung und Sport) haben wir mit Misile, Hewan und Leti ein energiegeladenes Frauen-Team angestellt (Frauen-Power zum Ersten).

Mittlerweile ist unsere Belegschaft in Addis Abeba auf 16 Personen angewachsen: sechs Mechaniker/-innen, drei Wächter, eine Buchhalterin, eine Hauswirtschaftsangestellte, ein Fahrer, eine Physiotherapeutin, zwei Sozialarbeiterinnen und ein Country Director.


Das Addis Guzo Team (4 Personen fehlen)

Unser Frühlingsaufenthalt (Christine, Martina und Bäne) in Addis stand ganz im Zeichen des neuen Programms TAS: Gespräche über die Projektinhalte, Pläne für die nächsten Schritte, Stellenbeschreibungen, Organigramm, Möblierung der Räume, Materialliste erstellen usw. usw. Als Knacknuss hat sich das Einrichten der neuen Räume herausgestellt. Viele Ideen mussten zusammengefügt und die Herstellung der Möbel aufgegleist werden (es gibt kein Ikea und kein Bauhaus in Addis). Martina und Franziska haben hierzu in kurzer Zeit unglaublich viel geleistet (Frauen-Power zum Zweiten), herzlichen Dank!

 In diesem Raum entsteht das Tageszentrum für Familien mit behinderten Kindern

Wichtiger Bestandteil des Projektes TAS sind die IGA-Gruppen (Income Genereting Activities). Die ersten Erfahrungen aus den vier Pilotprojekten werden ausgewertet und entsprechende Massnahmen an die Hand genommen. Es ist klar geworden, dass die Gruppen noch eine enge Begleitung brauchen, die dann schrittweise abgebaut werden soll. Die handwerklichen Fertigkeiten müssen vertieft und das Wissen über Aufgaben der Geschäftsführung aufgebaut werden.

Die IGA-Gruppe Puppenwerkstatt (HAYA-Dolls) feiert ihr einjähriges Bestehen. Das Addis Guzo Team wurde zu einer Kaffee-Zeremonie eingeladen. Mit grossem Stolz präsentieren die vier HAYA-Frauen ihre Produkte (Frauen-Power zum Dritten). Mit dem Erlös aus dem Puppenverkauf können sie sich monatlich 2000 Birr (100 Franken) bezahlen. Das ist viermal mehr als sie vor ihrer HAYA-Zeit mit Putzarbeiten oder im Strassenverkauf verdient haben.

Die IGA Gruppe Ofenbau zelebriert den Abschluss der ersten Ausbildung. An vier Standorten ausserhalb Addis wurden Menschen mit Behinderungen im Herstellen von einfachen Kochstellen geschult. Als Mikro-Business-Genossenschaft können sie sich so ein Einkommen erwirtschaften. Der Vorteil der Öfen besteht darin, dass zum Kochen deutlich weniger Holz gebraucht wird als bei einer offenen Feuerstelle.


Die IGA Gruppe Schneiderarbeiten feiert den Abschluss eines Auftrages. Für sieben Hilfskräfte der Polizei durften sie Uniformen nähen. Es sind Angestellte der Stadt, die in der Umgebung unserer Werkstatt patrouillieren.

Der dritte Teil von TAS, der Bereich Sport, ist noch wenig strukturiert, aber trotzdem schon ganz gut unterwegs. Nach der Überarbeitung des Sportplatzes wird dieser bereits vielseitig genutzt. Sowohl ein Rollstuhl-Basketball-Team wie auch Klassen der nahegelegenen Schule trainieren regelmässig. Über Sport und Spiel ist ein wunderbarer Austausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen entstanden. Einen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis, den unser Zentrum, so ganz nebenbei aber sehr gewollt, leistet.


Intensives Spiel auf Rädern.


Alem leitet das Einturnen, was den Schüler/-innen sichtlich Spass macht

Neben den drei Hauptbereichen von TAS (Therapie, Ausbildung und Sport), werden wir auch eine Bibliothek eröffnen. Diese soll zu einem Begegnungszentrum wachsen, in welchem neben dem Lesen von Büchern und Magazinen auch andere Aktivitäten stattfinden werden. Wir denken da an Filmvorführungen, Lesungen, Diskussionsforen, Spiel- und Bastelnachmittage oder Kursangebote. 


Auf die drei TAS-Ladies wartet einiges an Arbeit.
Von links Hewan, Leti (Sozialarbeiterinnen) und Misile (Physiotherapeutin)

 

Und ausserdem bei Addis Guzo:

Auch wenn in den letzten Monaten viel Energie in das neue Programm gesteckt wurde, so ist die Rollstuhl-Werkstatt weiterhin das Zentrum unserer Organisation. Die Leistungen des Werkstatt-Teams werden von allen Seiten (Behörden, Organisationen und vor allem den Kunden) sehr geschätzt. Die Qualität der Rollstuhl-Versorgungen und der Reparaturarbeiten ist sehr hoch. Noch immer ist unsere Werkstatt die einzige dieser Art in der 5 Millionen-Stadt Addis Abeba. Täglich wird eine Vielzahl von Kunden bedient. Jährlich geben die Mechaniker/-innen etwa 500 Rollstühle ab und führen 1000 Reparaturen durch.


Ein Rollstuhl für das Kind entlastet auch die Familie.


Gemeinsam reparieren macht Spass.


Das Werkstatt-Team

Zur Zeit wird in Addis heftig gebaut. Vor allem der Bau der Strassenbahn, die schon bald eröffnet werden soll, hat zu einem grossen Verkehrschaos geführt. Für unsere Mitarbeiter/-innen, die zum Teil weit am Stadtrand wohnen ist der Weg zur Werkstatt mit den öffentlichen Minibussen fast nicht zu machen. So wird unser Projektbus als Mitarbeitertaxi eingesetzt. Am Morgen ist die Stimmung jeweils noch etwas schläfrig, am Abend wird munter diskutiert und lamentiert.


Feierabend-Stimmung im Mitarbeitertaxi

Ende 2014 hatten wir in Addis kurzfristig einen Rollstuhl-Liefer-Engpass. Es gab eine Kunden-Warteliste mit über 100 Namen. Dies obwohl Fred Wyss wieder 5 Container mit Material gefüllt und nach Äthiopien geschickt hat. Zum Glück haben wir in Deutschland einen zusätzlichen "Lieferanten" gefunden. Herr Hans-Peter Dentler sammelt seit vielen Jahren Hilfsmittel, insbesondere Rollstühle, die er in der Notkirche von Karlsruhe mit einem Team in Stand setzt und dann an Menschen mit Behinderungen in verschiedenen Erdteilen abgibt. In zwei Containern hat er für unser Projekt über 300 Rollstühle und viele Ersatzteile gespendet. Herzlichen Dank!


Dank der Hilfe von Hans-Peter Dentler war unser Rollstuhllager Ende März wieder bis unter das Dach gefüllt.

Von 2001 bis 2013 war Ato Girma Wolde-Giorgis Staatspräsident von Äthiopien mit repräsentativen Aufgaben. Er stammt aus der Region Oromo und ist beim Volk sehr beliebt. Weil er auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat er sich durch unser Team beraten lassen. Bei einem Besuch in seinem Haus hat Teferi, mit einem offiziellen Schreiben um Unterstützung unserer Arbeit angefragt. Bereits am nächsten Tag hat uns Ato Girma mitgeteilt, dass er mit Freude Botschafter oder Pate von Addis Guzo sein will. Insbesondere bei Kontakten mit den Behörden kann diese Unterstützung für uns eine wichtige Hilfe sein.


"Gewichtige" Unterstützung für unser Projekt: Ato Girma Wolde-Giorgis (Man-Power)


Mit diesem Bild einer glücklichen Kundin verabschieden wir uns bis zum nächsten Blog.

Christine und Bäne
Addis Guzo Schweiz