Als wir im Oktober 2011 zum Spatenstich ansetzten (Bild links), lagen viele Herausforderungen vor uns. Einige davon waren offensichtlich, andere kamen erst nach und nach zum Vorschein. Jetzt, mehr als 4 Jahre später, nachdem wir das Zentrum für Menschen mit Behinderungen fertiggestellt haben, steht eine neue, grosse Herausforderung an.

Über die hervorragende Arbeit unseres Teams und die ehrenamtlichen Einsätze von freiwilligen Helferinnen und Helfern berichtet der zweite Teil dieses Berichtes. Der erste Teil handelt von der grossen Hürde, die uns von Seiten der Stadtbehörden in den Weg gestellt wird. Das Quartier, in dem wir unser Projekt aufgebaut haben, hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Unser Standort ist, nicht nur für uns, attraktiver geworden. Die Stadt hat neue Nutzungspläne und hat uns deshalb aufgefordert, das Gelände zu verlassen.

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Vor kurzer Zeit erst fertiggestellt: unser Zentrum in Addis Abeba mit der Werkstatt (hinten links), dem Therapie- und Ausbildungsgebäude, den Lagerräumen und dem Sportplatz.

Jetzt sind wir auf der Suche nach einem neuen Standort. Dabei setzen wir auf das umfassende Netzwerk, das wir in den letzten Jahren aufgebaut haben. Es sind die vielen wertschätzenden Rückmeldung von allen Seiten in Äthiopien und die grosse Unterstützung aus der Schweiz, die uns den Schwung und die Kraft geben, die aufgebaute Hürde zu überspringen. So haben sich die Klienten auf den Büros der Stadt für uns eingesetzt, suchen Vertreter/-innen der Schweizer- und der US-Botschaft nach Lösungen, stehen uns Organisationen wie das IKRK bei oder haben Abgesandte der lokalen Behörden ein Forum zur Unterstützung von Addis Guzo gegründet.

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Teferi unser Country Director erklärt Vertreter/-innen der lokalen labor and social affair offices die Abläufe der Rollstuhlwerkstatt.

Der Einstieg ins neue Jahr war für unser Projekt daher kein einfacher. Trotzdem tun wir unsere Arbeit unvermindert weiter. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Arbeitsplätze erhalten und an einem neuen Standort unsere Aktivitäten weiterhin anbieten können. Das Land, aber vor allem die Menschen mit Behinderungen in Addis Abeba sind auf diese Dienste angewiesen. Denn in ganz Äthiopien gibt es keine vergleichbare Organisation, die permanent Rollstühle abgibt oder repariert und unsere Mitarbeiter/-innen sind in diesem Bereich die bestausgebildeten Fachpersonen.

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Addis Guzo Team-Essen

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Klienten warten vor unserer Werkstatt auf einen Rollstuhl-Service.

Der Bericht über die Aktivitäten der letzten Monate beginnt mit Fred Wyss. Unermüdlich sammelt Fred seit Jahren quer durch die ganze Schweiz gebrauchte Rollstühle, Ersatzteile und diverse andere Hilfsmittel und schickt sie mit Containern nach Addis Abeba. Dies ist einer der Gründe für den Erfolg des Projektes.

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Fred Wyss nutzt die Kapazität seines Anhängers bis zum letzten Kubik-Zentimeter aus.

Vier bis fünf Container oder etwa 500 Rollstühle jährlich landen so in Äthiopien. Mehr als 2200 davon hat unser Werkstatt-Team in den letzten drei Jahren revidiert, umgebaut, ausgemessen und angepasst.

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Eine neue Containerladung ist in Addis angekommen.

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Still hardest working team in town! Unsere Mechaniker/-innen

Neben den Alltagsarbeiten der Rollstuhlwerkstatt richtete sich unser Fokus im letzten Jahr auf die Umsetzung des Projektteils TAS (Therapie, Ausbildung und Sport für Menschen mit Behinderungen). Dank dem beherzten Einsatz der neuen Mitarbeiterinnen unter der Anleitung von Franziska Gerling, der externen Beraterin, konnte das Tageszentrum für Familien mit behinderten Kindern im Oktober seine Türen öffnen. In zweckdienlich und freundlich gestalteten Therapieräumen finden regelmässig physiotherapeutische Behandlungen statt. Die sieben IGA-Gruppen (Income Generating Activities) erhielten weitere Fortbildungen und sind auf einem guten Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit. Der Bereich Sport ist durch das Spielfeld im Zentrum des Geländes geprägt. Hier herrscht täglich reger Betrieb.

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Alltag im Tageszentrum

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Dank Misle zu ersten, selbständigen Schritten.

Die IGA Gruppen:

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Die Kerzengruppe Sunray Candle erhält vermehrt grössere Aufträge

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Die Qualität der Produkte steigt und die Palette wird farbiger

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Elkes Schneideratelier: Bisher konnten sich die Mitglieder dieser Gruppe nur kleine Gehälter bezahlen, aber sie sind hochmotiviert, die Qualität ihrer Arbeit weiter zu verbessern.

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Die vier HAYA-Dolls-Frauen haben den Durchbruch geschafft. Mit grossem Einsatz, hoher Lernbereitschaft und viel Teamgeist stellen sie wunderschöne Puppen her. Eine Journalistin schrieb: Dolls made with love to be loved!

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HAYA-Dolls, black and white but colorfull

Im Oktober 2015 haben wir den neuen Projektteil TAS offiziell eröffnet. 

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Bei der Einweihungsfeier durften wir unseren Paten, den Ex-Staatspräsident Äthiopiens (2001 bis 2013) Girma Wolde-Giorgis, als Ehrengast empfangen. Hier begrüsst er unser Rollstuhl-Basketball-Team.

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Einsatz total auf dem Sportplatz

Grossen Anteil an der erfolgreichen Umsetzung der Projektideen von TAS hatte Franziska Gerling. Mit viel Sachverstand und noch mehr Herzblut hat sie Addis Guzo knapp drei Jahre lang begleitet, immer wieder auf den richten Weg gebracht und viele Weichen gestellt. Jetzt ist sie nach Deutschland zurückgekehrt und wird ihren Beruf als Lehrerin wieder aufnehmen. Für ihren unermüdlichen und wertvollen Einsatz danken wir ihr von ganzem Herzen und wünschen ihr für Familie und Beruf viel Glück und Erfolg. Amasseggenlehu Franzi!

Ihre Nachfolge hat Alexandra Huber übernommen. Wir sind sehr glücklich, wieder eine kompetente Beraterin gefunden zu haben.

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Franziska (links) und Alexandra

Die Arbeit in und mit anderen Kulturen bietet die kostbare Möglichkeit zum Dialog und zum gegenseitigen Austausch von Wissen, Fertigkeiten und Erfahrungen. Verschiedene Fachpersonen aus der Schweiz und aus Deutschland haben in der Vergangenheit unser Projekt mit freiwilligen Einsätzen bereichert. Wir bedanken uns bei Martina, Sandra, Nina, Elke und Markus für ihr Engagement im letzten Jahr. Sie standen uns in Addis Abeba mit Rat und Tat zur Seite. Diese Form der Begegnung wollen wir auch in Zukunft weiter pflegen.

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Markus, Rollstuhlfachmann aus Bern, instruiert Dennu und Zewdou.

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Misle und Sandra, zwei Physiotherapeutinnen arbeiten eng zusammen.

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Fortbildung in Bishoftu: Abiy unser Mechaniker gibt sein Wissen an Sozialarbeiter/-innen und Betroffene weiter.

Transport
Das IKRK führt in unserer Werkstatt ein WHO-anerkanntes Rollstuhltraining durch.

Nun spannen wir den Bogen zurück zum Beginn dieses Berichtes. Wir wollen den eingeschlagenen Weg mit dem Projekt Addis Guzo weitergehen. Bisher haben wir für alle kleinen und grossen Probleme eine Lösung gefunden. Wir wurden und werden vielseitig und tatkräftig getragen und unterstützt. Mit diesem Schreiben danken wir allen, die uns bis hierher begleitet haben, sehr herzlich. Eure Hilfe garantiert die Zukunft für die Neue Reise – Neue Fahrt / für Addis Guzo.

Herzliche Grüsse

Marianne Locher, Christine Oberli, Bernhard Wissler
Vorstand Verein Addis Guzo

Spendenkonto: IBAN CH95 0900 0000 6052 4186 7 - BIC POFICHBEXXX

www.addisguzo.com / Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! / Addis Guzo, Neue Reise - Neue Fahrt, 3000 Bern